Lektion 33 oder
Der Putzfimmel

„Los, wach auf, chrjob, chrjob“, flüsterte Brunert mir hastig zu. „Chrjob, wir müssen los, chrjob.“

„Was? Jetzt schon?“

Nein .... der kleine Hexenkater ist nicht ... unhöflich ... ^^'

Nach meiner Flucht aus dem Spielzimmer hatte mich die Müdigkeit ohne Rücksicht auf Verluste eingeholt. Gefühlt hatte ich gerade mal ein paar Minuten geschlafen, beziehungsweise sie mit beunruhigenden Halbwachträumen zugebracht. Doch wenn ich mir den kreuzäugigen Kröterich so ansah, wie wiederum er mich ansah, hatte ich mein Soll an reglosem Herumliegen bereits bei Weitem überschritten.

„Nun komm, Katerchen, chrjob“, sagte Brunert mit – sofern ihm dies bei seiner tranigen Art überhaupt möglich war – gehetztem Blick in Richtung Spalteingang.

Als ich mich nicht weiter in seinem Sinne rührte, patsche er mir mehrmals mit seiner verwachsenen Vordergliedmaße auf die Schulter.

Ich fuhr zusammen, als ich das feucht klebrige Schmatzgeräusch viel zu nah an meinem Ohr – und direkt auf meinem Fell – hörte. Ich sprang auf. Ich putzte mich. Leckte mir das schleimige Sekret aus dem Pelz ... Keine gute Entscheidung.

Kaum hatte ich nämlich dieses abscheuliche Zeug aus meinem Fell entfernt, stand ich vor einem viel, viel größeren Problem.

Jetzt klebte dieser Mist nämlich an meiner Zunge!

Ich hielt es zunächst für keine gute Idee die Zunge wieder in meinen Mund zuziehen. Also ließ ich sie draußen und sah Brunert hilfesuchend – um nicht zu sagen verzweifelt – an.

Ja, ich weiß, dass sich so etwas nicht gehört, liebe Kätzlein und Katerchen, liebe Mädchen und Jungen. Unter normalen Umständen gilt so ein Verhalten als unhöflich und zeugt von keiner guten Erziehung. Aber dies hier waren keine normalen Umstände!

Obwohl Brunert der eigentliche Verursacher meiner jüngsten Notlage war, zeigte er nur sehr wenig Verständnis. Seine dunklen Kreuzaugen, die schon von Natur aus fiesen Schlitzen glichen, wurden noch schmaler. Ich las in ihnen Argwohn und eine ausgesprochen missgünstige Geduld.

„Chrjob“, schmatze der Kröterich trocken, „Wenn du einen Moment wartest, wird deine Zunge taub, chrjob, und du wirst den Geschmack kaum spüren. Chrjob.“

Ich nickte dankbar und versuchte mich an einem beschwichtigendem Lächeln. Immerhin half Brunert mir bei meiner Flucht. Außerdem konnte er sicher nicht viel dafür, dass er so war – nun –, wie er eben war ...

Der Kröterich behielt recht. Irgendwann zog ich meine Zunge ein, bemerkte zwar etwas von dem Schleim in meinem Mund, doch wie versprochen blieb mir der Geschmack erspart. Ich spuckte das restliche Sekret trotzdem aus und wollte gerade noch ein dankbares Wort der Höflichkeit an Brunert richten ...

Heraus kam nur Gemauze.

„Das passiert, chrjob“, sagte Brunert nüchtern, „In ein bis zwei Stunden lässt die Wirkung nach. Chrjob, chrjob. Dann kannst du deine Zunge wieder verwenden, um wie ein Mensch zu reden, chrjob.“

Ich nickte gefügig. Denn die Zeit drängte und so machten wir uns wortlos auf in Richtung Spalt, zwängten uns nacheinander hindurch – erst Brunert, dann ich ...

Eine große, träge Menschenhand packte mich im Nacken. Ich war gefasst – und konnte weder mich beschweren, geschweige denn mich rühren.

>> weiter mit Lektion 34 (Band 1) >>

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