Lektion 30 oder
Wie ich einen Niedergang auslöste

Der kleine Hexenkater wehrt sich!
Wie gesagt, Option Eins hieß ausfallen und durch die offene Tür ins – eventuelle – Freie hechten. Option Zwei bestand in dableiben und der – eventuellen – Gefahr selbstsicher von Angesicht zu Angesicht begegnen.

Nun ... Doch so, wie sich die Situation schließlich entwickelte ...

Die Tür ging auf. Und ein riesengroßes, menschenhaftes Ungeheuerwesen stand laut grunzend vor mir.

Ich brauchte einen Moment, um das, was sich vor mir aus schier heiterem Himmel da so aufgebaut hatte, in seiner vollen Pracht und Gänze zu begreifen.

Das Ungeheuerwesen entdeckte mich. Es war groß, strotzte geradezu maßlos vor Muskelkraft – und hatte zu allem Überfluss noch so einen Hut auf ...

„Chhhrrrrrrrchhhh“, fauchte ich meinen Körper zu seiner doppelt bis dreifachen Größe aufbauschend – und setzte mit sofortiger Wirkung Option Nummer Drei in Kraft: Überhasteter Rückzug in mein verstricktes Spiel-, Futter- und Spaßgelände, mit der Absicht bis auf Weiteres genau dort und nirgendwo sonst zu bleiben!

„Und ich sag' noch, geh' da langsam rein.“

„Du hast gut reden. Seit wann hocken die Viecher denn vor der Tür?“

„Brettwood hatte erwähnt, dass sich dieses Exemplar anders benimmt. Aber auch kein Wunder, so wie es sich im Park verhalten hat.“ Da war sie, die Stimme des jungen Mannes, dem ich diesen Aufenthalt hier zu verdanken hatte. Sie klang jedoch anders als an jenem Abend – zumindest so viel ich das von meinem Versteck unter einer eigens von mir grob verknüllten Spieldeckenmauschelei mit knapp darüber befindlicher Liegefläche beurteilen konnte.

Der junge Mann war nicht allein. Den Stimmen und Geräuschen nach waren mindestens noch drei oder vier weitere Menschen bei ihm.

Das große unheimliche Menschenungeheuerwesen kam mir, kaum dass ich einen Moment der Ruhe gefunden hatte, ebenfalls bekannt vor. Hatte er nicht vor einiger Zeit mal Karel in seinem Zimmer aufgesucht? Der Lärm, den es dabei verbreitet hatte, gellte mir noch immer in den Ohren, sobald ich nur daran dachte.

„Warum hast du ihn das Vieh nicht selbst holen lassen, wie sonst auch?“, knurrte dieser grobe Ungeheuerwesenmensch.

„Er macht nicht den Eindruck, als ob er das abkönnte. Wenn er zu früh spitzkriegt, wie es wirklich abläuft, würde er womöglich abspringen“, sagte mein Gastgeber.

„Und warum nehmen wir ihn dann überhaupt bei uns auf?“, erwiderte der Grobian.

„Weil es gut ist, jemanden zu haben, der ohne zu murren deine Hausarbeiten und Protokolle schreibt!“ Diese dritte Stimme – ebenfalls die eines Menschenmannes – wählte ihren Ton bewusst gehässig. „So einen hältst du dir schön warm und lässt ihn glauben, dass er es zu den Besseren geschafft hat. Nun, und wenn du ihn nicht mehr brauchst, schickst du ihn wieder auf den Boden der unschönen Tatsachen zurück und lässt ihn dort seinen traurig tristen Weg der einfachen Leute ziehen.“ Der gehässige Mann lachte.

„Noch brauchen wir ihn jedenfalls“, sprach mein Gastgeber in ruhigem Ernst. „Also passen wir uns so unauffällig wie nur irgend möglich seinen Bedürfnissen an.“

„Nicht jeder ist mit so einem wachen Verstand und Ehrgeiz gesegnet, wie du, Joscha“, entgegnete der Gehässige. „Von dem satten Erbe ganz zu schweigen.“

„Wie bist du überhaupt auf ihn gekommen?“, murrte der Grobian. „Kann sich ja nicht mal verständlich machen der Kerl.“

„Bleibt bei der Sache“, ermahnte mein Gastgeber die beiden. „Fangt die Katze ein. Baut alles ab, soweit es möglich ist. Aber versucht die Einrichtung heil zu lassen.“


Liebe Kätzlein und Katerchen, liebe Mädchen und Jungen. Diese Burschen machten wirklich Ernst. Sie waren in der Tat so dreist, mein Areal der katzenhaften Freuden in seine Einzelteile zu zerlegen! Und damit nicht genug, so fingen sie ausgerechnet mit dem bastumwickelten Kletterspaß- und Freizeitmast an, auf welchem sich mein persönlicher Schlafplatz in seine Höhen streckte!

Gut, dieses Menschenungeheuerwesen, das diese Untat als in erster Linie tragende Kraft in die bittere Realität umsetzte, war zwar sehr, sehr groß und kräftig, aber es ging um meinen Platz!


„Was zum ...? HUAARRR!“

Zähne, Krallen – sowohl diejenigen meiner Vorder- als auch jene meiner Hinterpfoten – und all meine haltlose Empörung schlug ich dem Ungeheuermenschengrobian direkt ins Fleisch – also durch den dünnen Stoff seiner Kleidung hindurch ins Bein, um genau zu sein.

Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie das menschenähnliche Grobianwesen samt Hochsitz zu Boden krachte und die anderen Menschen zu seiner Hilfe eilten. Es blieb mir keine Zeit, alles bis zum laut polternden Ende zu betrachten. Stattdessen bog ich durch die offene Tür in einen hellen Korridor mit Grünzeug ähnlichem Belag – nur viel weicher und dunkelrot – ein und suchte möglichst schnell das Weite.

>> weiter mit Lektion 31 (Band 1) >>

Schon gewusst? ^_^

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Kommentare

  1. Boah wie spannend!
    Ich wünsche dir, dass du "das Weite" ganz schnell findest und dass es dort angenehmer ist als bei den Menschenungeheuern ...
    >°.°<
    Prrrt.

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    1. Na, wir wollen ja nicht spoilern. Aber ich denke, dass ich dennoch so viel sagen darf: Um unseren Hexenkater bleibt es wohl noch ein ganzes Weilchen ziemlich spannend ... ^.~

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  2. Spannend in der Tat! :)

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  3. Wow, ich bin gerade erst zu Tyrrins Geschichte gestossen und finde ihn sowas von toll! :) Eine super Idee, schön geschrieben, gemalt und umgesetzt... Und jetzt hab ich als ein Fan von guten Fantasy-Geschichten ganz viel nachzulesen und freue mich schon auf die Fortsetzung. ;)

    Liebe Grüsse
    Tatjana

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    1. Hallo Tatjana! ^^

      Vielen Dank für das Lob! Da freu ich mich als Zeichnerin auch drüber. ^///^
      Ich wünsche dir viel Spaß beim Nachlesen der älteren Lektionen und nätürlich auch mit den noch kommenden. ^^
      Wir geben uns Mühe, die Geschichte um Tyrrin lebendig zu gestalten. ^.~

      liebe Grüße
      Mie

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  4. Hallo An Ja, hallo Tatjana!

    Vielen Dank für das liebe Feedback! ^///^ Wir bemühen und bemühen uns und freuen uns riesig, wenn euch unser Treiben hier auch noch gefällt! ^o^

    Liebe Grüße
    Platti

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