Lektion 29 oder
Langeweile

Der kleine Tyrrin Hexenkater wartet und wartet und wartet ...
Ich will nicht behaupten, dass die ständige Beaufsichtigung durch diesen Karel-Menschen mir fehlte ...

Sagen wir einfach, dass ich mir unter einem erfüllten Tagesablauf schon etwas mehr vorstellte als fressen, schlafen und angebundene Plüschspielbälle zu zerlegen. Wo bitte war da die Herausforderung?

Ich saß in diesem Zimmer nun schon geschlagene drei Tage fest. Meine größte Abwechslung war lediglich die Tatsache, dass die Nächte dank des zunehmenden Mondes von Tag zu Tag heller wurden. Das verriet mir das verglaste Oberlicht in der Zimmerdecke, denn nicht einmal so etwas wie ein Fenster zum Rausgucken gab es hier ...

Nun, und die einzige beharrliche Regelmäßigkeit, die mir bei der Strukturierung meines Tages half, passierte in Form meines neu gewonnen Personalmenschen. So nannte ich den alten Menschenmann in Schwarz im Stillen. Er besuchte mich je einmal morgens und abends und durchlief die immer haargenau gleiche Prozedur. Das mit dem Feuermachen, Futternachfüllen und Spielzeug- beziehungsweise Deckenzurechtrücken habe ich euch ja bereits in aller Ausführlichkeit erzählt. Aber das war es dann auch schon.


Nein! Ich vermisste meinen unbeholfen redenden Karel-Hutmenschen und seine mit Schuhen nur so um sich werfende Schwester nicht!

Nur über etwas Gesellschaft hätte ich mich vielleicht ein bisschen gefreut ...

„Old Lady ...“, seufzte ich.

Aber es half nichts. Es war Zeit für einen Standortwechsel. Hier zu bleiben brachte mich nicht weiter und schon gar nicht zurück zu Old Lady.

Also begann ich zu lauern. Nahe der Tür. Aber so, dass der Personalmensch mich nicht sofort sah und ich ungehindert durch seine drei Beine schlüpfen konnte. Na ja, und wie genau es dann weitergehen würde ...

Das würde sich dann schon klären, wenn es wirklich so weit war.

Ich lauerte also.

Es wurde Abend. Und das Unerwartete geschah. Der alte Menschenmann in Schwarz kam nicht.
Allerdings bekam ich keine Zeit, um mich einschlägig zu wundern oder gar in einen Zustand des unverhohlenen Beleidigtseins zu verfallen.

So nahm ich wahr, wie sich jemand der Tür meines Zimmers näherte. Unter meinen Pfoten spürte ich die Schwingungen der Schritte. Dann – nur wenig später – war da ein Geräusch. Nein, es waren Geräusche. Ja, genau!

Da war mehr als nur ein Jemand. Das las ich aus dem Rhythmus. Er war unregelmäßig und zugleich besaß er eine immer wiederkehrende Regelmäßigkeit.

Ich hörte Stimmen. Menschliche Stimmen, die ich hier und da schon kannte.

Mein Instinkt gebot mir Vorsicht. Doch meine Neugier verhieß mir, dass es nach all dem Warten endlich interessant werden würde. In mir regte sich ein Konflikt zwischen Intuition und Verlangen.

Was sollte ich machen? Den Ausfall wagen, wie geplant? Oder abwarten und nachsehen, welches Schauspiel sich mir in wenigen Augenblicken bieten würde?

So oder so, die Notwendigkeit einer Entscheidung ließ nicht lange auf sich warten. Mit einem lauten Ruck klackte die Klinke herunter und die massive Holztür schwang schwer und träge auf.

>> weiter mit Lektion 30 (Band 1) >>

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