Lektion 26 oder
In der Burschenschaft

Ai, wie schön doch der kleine Hexenkater spielt.
Also, ich will ja nicht kleinlich sein. Aber als ein Kater, der in seinen noch recht jungen Tagen schon eine ganze Menge überstanden hat, woran andere kleine Kätzchen mal einfach so verzweifelt wären ...

Ja, ich war jetzt in einer echten Burschenschaft. Und ja, Lafennes Worte schwebten mir immer noch im Ohr. Ein Ort, an dem kleine Katzen nichts verloren haben ... 

Jetzt stellte ich fest: Diese Menschenfrau hatte nicht die leiseste Ahnung! Doch was sollte man auch von jemandem erwarten, der mit Schuhen nach einem warf, obwohl man seine Ruhe haben wollte. Von dem Umstand, dass sie außerdem gern fremde Leute ohne Rücksicht aufs Geschlecht in Damenhandtaschen steckte, will ich gar nicht erst anfangen!

Jetzt, da ich mir endlich einmal selbst ein Bild machen konnte, liebe Kätzlein und Katerchen, liebe Mädchen und Jungen ... Hier in dieser Burschenschaft hatte ich kein Kissen oder so einen großräumigen Untergrund, den ich mir mit einem Hutmenschen teilen musste. In der Burschenschaft hatte ich ein geräumiges Körbchen, das nicht nur mit verschiedenen Decken und Kissen bestückt worden war, sondern sich auch an der höchstgelegenen Stelle einer filigranen, aber durchaus stabilen Kletter-Spiel-und-Beschäftigungskonstruktion befand, die außerdem mehrere kleine und größere Höhlen, Liegeflächen und Spielzeuge enthielt.

Wo auch immer ich hier gelandet war – allein für meine Unterhaltung hatte ich jetzt mehr Platz, als meine bisherige Bleibe je geboten hatte. Damit nicht genug, hatte mich der junge Menschenmann, so nass wie ich nach meiner Nacht im Freien gewesen war, auf einer überdurchschnittlich kuscheligen Decke vor einer großen, dressierten Feuerstelle abgesetzt. So mollig warm, wie diese war, hatte es keine halbe Stunde gedauert, bis ich völlig aufgewärmt und trocken war – und mich schließlich auf die Erkundung durch die eigens für jemanden wie mich eingerichteten Räumlichkeiten machen konnte.

Der junge Mann hatte das Zimmer bereits verlassen, kurz nachdem er mich behutsam abgelegt hatte. Doch bevor er gegangen war, hatte er mir über den Kopf gestrichen und ein paar Worte gesagt, auf die er von mir wahrscheinlich keine Antwort erwartet hatte – nicht, dass ich dazu nicht in der Lage gewesen wäre. Aber mir war in diesem Moment nicht nach menschlichem Gebaren oder so etwas wie reden gewesen. Zudem hatte ich mir nach meinen jüngsten Erfahrungen mit jungen Menschenfrauen ja auch das mit der Vorsicht erst einmal etwas mehr zu Herzen genommen.

Aber eines stand fest: Diese Burschenschaft meinte es trotz aller Vorurteile und vermeintlichen Verleumdungen verdammt gut mit kleinen Katzen!

Ihr ahnt gar nicht, wie ich frohlockte, als mir versehentlich ein randvolles Schüsselchen mit zart gekochten Innereien über den Weg lief. Auf einer höher gelegenen mit Samt bespannten Sitzplatte entdeckte ich feines Ragout in leicht gewürzter Sahnesoße. Und ein Stück weiter fand ich ein Tellerchen mit delikat angerichtetem Trockenfleisch, das bei jedem Bissen herzhaft zwischen meinen Zähnen knackte.

Ich brauchte fast die ganze Nacht, um das Areal angemessen zu erkunden, auszuprobieren und bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit auszutesten. Ständig lockte ein pikanter Duft. Dort lud ein verstohlen klingelndes Glöckchen zum Antippen und Spielen ein. Hier wollte ein zugleich frisch und scharf duftendes Knäuel aus Stoff und irgend einem Kraut, dass ich es erlegte und intensiv beschnupperte. Es kostete mich einige Mühe mich davon loszureißen. Doch die Verlockungen um mich herum waren schlichtweg zu groß.

Der Morgen graute bereits, als ich meine Position in dem besagten Ausschaukörbchen einnahm und mich für einen erholsamen Schlaf zurechtmachte. Kaum dass ich geneigt war, nun doch endlich in Frieden zu entschlummern, schreckte mich die große, dunkle Holztür, die in mein Zimmer führte, mit einem lauten und langen Knarren auf. Aber damit nicht genug. Noch war nichts zu sehen, doch ich hörte, wie etwas schwer atmend und sehr, sehr langsam diesen Raum betrat.

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