Lektion 22 oder
Mein erster Plan

„Miez, Miez ... Liebe Miezekatze ...“

„E-er ist e-ein Er, e-ein K-kater.“

„Miez, Miez. Liebes, kleines Katerchen. – Bist du sicher, dass er noch lebt?“

„E-er g-guckt doch n-noch!“

„Ach, das muss nichts heißen.“

„A ... aber ... w-w-w-w-was t-tust d-du ...?!“

Na wo isser denn ... Wo der Hexenkater nicht überall lauert ...

SIE WARF EINEN SCHUH NACH MIR!!!

Kater wie ich war, wich ich natürlich aus und klemmte mich so weit wie nur möglich in die hinterste Ecke des unter dem Bett befindlichen Zwischenraumes. Ja, genau, unter dem Bett!

Und ich wollte da auch nicht raus. Old Lady war nicht da und ich wurde von diesen beiden Menschen belagert ... in diesem Zimmer ...

Ihr seht, worin mein eigentliches Problem in dieser misslichen Lage bestand? Liebe Kätzlein und Katerchen, liebe Mädchen und Jungen – mein Problem war, dass ich mich an einem Ort befand, an dem ich nicht länger verweilen wollte. Trotzdem weigerte ich mich, meinen aktuellen Standort zu verlassen – die beiden Gründe dafür saßen derzeit vor dem Bett. Die einzige Lösung für mein Problem lag dennoch mehr als deutlich auf der Pfote: Ich musste hier weg.

„E-entsch-tsch-tschuld-digung“, stammelte Karel.

„Warum zum Kuckuck entschuldigst du dich?“, widersprach Lafenne.

„Ä ... ähm ...“, antwortete Karel.

Du hast mir gesagt, ich soll dir helfen“, fuhr seine Schwester fort, „Ich bin nicht diejenige, die seit geschlagenen vier Tagen ein sprechendes Katzenphantom unter dem eigenen Bett beheimatet!“


Eigentlich stimmt das gar nicht, dachte ich in stummem Protest. Ich hatte mein wertvolles Refugium sogar ziemlich oft verlassen. Ein Kater muss nun einmal was essen, trinken, überprüfen, inspizieren, untersuchen und, na ja, ihr wisst schon – das mit der Kiste ... Allerdings hatte ich stets darauf geachtet, dass mich bei all diesen Dingen niemand beobachtete – also dass mein Mensch mit oder mit ohne Hut nicht zugegen oder in tiefem, tiefem Schlummer lag. Ich wollte nicht schon wieder Gefahr laufen, in eine Tasche oder ein vergleichbares Behältnis gestopft zu werden.


Noch einen ganzen Moment lang sahen mich die beiden Menschen tief unter das Bett gebückt an. Unbeeindruckt guckte ich zurück. Dann seufzte Lafenne und stand auf.

„Du hast dir da aber echt was aufschwatzen lassen“, raunte sie, „Du und deine Pseudoliebelei mit dieser Kräuterhexe.“

Ich wurde hellhörig. Sprach sie etwa von ...

„O-old L-lady hat ihn m-mir a-anver-t-traut.“ Karel wollte sich aufrichten, bereit ihr die Stirn – nur steckten gerade vier Tage Vor-dem-Bett-Lauern in seinen Knochen, sodass seine Gelenke lautstark knirschten und knackten und er sich unbeholfen auf die Bettkante stützen musste.

Genau, Old Lady!, kam es mir in den Sinn. Sie war nicht hier, aber sie hatte mich hier hergebracht. Da konnte es doch nicht so schwer sein, den Spieß einfach umzudrehen und ... Ich fasste einen Entschluss.

Und wie es sich so ergab, spielte mir die schuhwerfende Menschenfrau direkt in meine Pfoten. Sie entfernte sich vom Bett und ging in Richtung ...

Lautlos, wie es nur die Katzenwesen können, schlich ich lautlos aus meiner Ecke heraus und unter dem Bettkasten entlang.

„Besser du machst, was er will und gibst ihn zurück“, sagte die junge Menschenfrau.

„I-ich k-kann doch n-nicht ...“, erwiderte Karel verunsichert.

„Ach, hab dich nicht so.“

Sie achteten nicht mehr auf mich.

Lafenne griff nach der Türklinke, drückte sie hinab ...

„Besser er findet einen Besitzer, der zu ihm passt und mit ihm umgehen kann.“

Karel rang missmutig nach den richtigen Lauten und Buchstaben.

Sie zog ...

„Weißt du“, sagte Lafenne belehrend, „Du hast bereits mit dir selbst genug zu tun. So ein Tier braucht jemanden, der Verantwortung übernehmen kann, ihm die Stirn bietet und ihm zeigt, was erlaubt und was untersagt ist.“

Sie zögerte.

„Nimm es mir nicht übel, Karel. Aber du hast dich mit diesem sprechenden Hexenkater gnadenlos übernommen. Er kann sich ja jetzt schon besser artikulieren, als du es jemals konntest. Die anderen halten dich längst für reichlich sonderbar. Eine kleine, pelzige Sprachhilfe auf Samtpfoten tut dem bei bestem Willen keine Abhilfe. Ein komisches Paar wäret ihr, keine Frage.“

Ich beobachtete die beiden ganz genau. Der junge Mann, die junge Frau – Geschwister unter sich.

Karel sog stark nach Luft und seine Gesichtszüge wurden starr. Er sah aus, als hätte er etwas beschlossen.

„E-entschuldige“, sagte er erstaunlich ruhig.

„Wofür?“ Lafenne wirkte überrascht.

Gleich war es so weit. Das spürte ich.

„I-ich h-hatte a-an-g-genommen, d-dass du mi-mir h-hättest h-helfen k-können“, erklärte Karel. „D-dem war n-nicht so.“

Dann geschah es.

Karel griff zur Tür, zog sie an seiner Schulter vorbei und öffnete sie.

„D-du k-kannst gehen.“

Lafenne sah ihn an – überrascht und auch irgendwie beeindruckt.

Ich raste los. Wie ein Besessener. Raus aus dem Studentenzimmer, hinein in ...

MENSCHEN! TÜREN! EIN FLUR! FÜßE!

>> weiter mit Lektion 23 (Band 1) >>

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