Lektion 17 oder
Der Karel-Defekt

Old Lady hatte mir einmal gesagt, dass man mich nur versteht, wenn ich langsam und sehr deutlich rede. Kaum zu fassen, welche Wirkung das bei meinem Menschen mit ohne Hut auslöste. Er passte sich hervorragend an meine Redeweise an – und so langsam ...

„Koommst duuu voooon wooooaaaandeeeers heeeer?“

... verstanden wir einander.

Der Hexenkater genießt zum Plausch sein Fresschen
„... Nein“

„Aabeer wiie koooommt eees daaann, daaaass duuu sooo kooomiiisch sprrriiiichsst?“, fragte ich.

Der Mensch schenkte mir einen betretenen Blick.

„Haaabeee iiiich eeeetwaaas faaaallscheees geeesaaaagt?“

„N ... nein“, verfiel er halblaut in seine alte Sprechart.

„Wiiieee biiiitteee?“

„NEIN!“

„Uuuund waaaruuum reee ...“

„...“, unterbrach er mich mit leichtem Seufzten, „... Ich ... habe ... einen ... Sprach-fehler.“

„Eeein Spraaachfeeeehhler?“, fragte ich.

Der Mensch sah mich unschlüssig an.

„Waaas feeehlt deeennnn daaaiiineeerr Spraaacheee?“

„I-i ...“, setzte er an.

Ich wartete.

„... Ich ... weiß ... es ... nicht.“

„Uuund waaaruuum ...“

„H ...“, fuhr er mir ruppig ins Wort. Nun ja – gut, ruppig war eigentlich keine seiner Eigenschaften ... Sagen wir lieber unhöflich.

„... Hör ... auf ... so ... mit ... mir ... zu ... reden ... Ich ... verstehe ... dich ... auch ... so!“

„Oh“, stellte ich in meinem gewohnten Rederhythmus fest. „Und warum findest du nicht heraus, was an deiner Sprache fehlt?“

„I ...“, machte er einen Anfang, bemühte sich dann aber nicht, seinen Satz bis zum Ende fortzusetzen.

„Vorhin hat sie doch noch funktioniert.“

„D-das ... war, ... weil ... ich ... nicht ... ge- ... gedacht ... habe, ... dass ... mir ... jemand ... zuhört“, gab er mir verlegen zu verstehen.

„Mh“, überlegte ich, „Wenn du willst, kann ich das sein lassen.“

Der Mensch mit Hut musterte mich mit einem ungewissen Ausdruck.

„Ich hör dir nicht mehr zu“, erklärte ich, „und du machst ab sofort, dass dein Sprachfehler weggeht.“

Er setzte seinen unschlüssigen Eindruck auf mich fort.

Ich hingegen machte mich erst einmal an den inzwischen noch appetitlicher duftenden Wurstzipfeln zu schaffen. Vor lauter Konversation hatte ich diese gänzlich vergessen.

Karel schaute plötzlich einige Male um sich, so als wollte er sich vergewissern, dass außer uns beiden niemand weiter im Raum war. Doch ich schenkte dem keine Beachtung – ich war beschäftigt.

Dann holte der Mensch tief Luft und starrte gebannt zur Seite.

„Hast du eigentlich einen Namen?“, fragte er – völlig fehlerlos.

Ich setzte mich auf. Ich schluckte meinen Bissen hinunter. Ich leckte mein Mäulchen. Ich putzte mein Pfötchen und strich mir über das Ohr mit diesem.

Karel starrte immer noch zur Seite. Sein Blick schien abwesend und verträumt. Hatte er seine Frage an mich schon vergessen? – Na, ich hoffe doch!

„Mein Name ist Tyrrin“, erwähnte ich beiläufig.

„Aha ...“, sagte mein Derzeit-ohne-sonst-mit-Hut-Mensch abgelenkt, „... Tyrrin, der Hexen ... Kater ...“ Er nickte in Gedanken verloren, aber verständig. Dann fiel ihm etwas auf.

„D-du h-h-hast j-ja d-doch z-zugehört!“

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