Lektion 16 oder
Wie Kater ein Gespräch beginnt

Ich glaube, er wollte mir etwas mitteilen ... nur ... na ja ... er tat es nicht ...

Auch ein Hexenkater muss mit bestimmter Hand geführt werden.
Vier geschlagene Stunden hatte er mich nun schon ununterbrochen angesehen. Gut ... vielleicht war es doch nur eine Viertelstunde. Aber gefühlte vier Stunden – nachdem ich erstaunlich aufwendig mein kleines Geschäft verrichtet und die Iki-Iki-Kiste als einen dafür geeigneten Ort befunden hatte – auch noch unumwunden angeguckt werden ... Ich bekam langsam aber sicher Hunger.
„Hatte vorhin nicht jemand etwas von Futter gesagt?“, fragte ich – natürlich ganz Wert frei und völlig unverfänglich.

„O-oh ...“ Der Mensch mit ohne Hut zuckte zusammen. „N-natürlich.“ Er stand auf, nahm sich eines der Schälchen, das neben meinem Reisekörbchen auf dem Boden stand und stellte es mir vor die Nase „Bi-bitte.“

Es holperte noch etwas, aber so langsam wurde ich mit dieser fremden Sprache warm. In gewissen Teilen kam sie mir sogar sehr bekannt vor.

„Danke“, sagte ich und sah mich spontan genauer um. Neben mir stand immer noch die Iki-Iki-Kiste. Ich muss gestehen, in den vergangenen vier ... äh ... der letzten Viertelstunde war ich nicht nennenswert vorangekommen. Aber wer stand schon gerne unter Dauerbeobachtung?

Ich betrachtete die Kiste, sah dann auf das Schälchen recht appetitlich wirkender Wurstenden, sah erneut zur Kiste und sah dann den Mit-ohne-Hut-Menschen an.

„Sti-timmt w-was nicht?“

Ich neigte meinen Kopf und sah noch einmal zu der – benutzten – Kiste.

„Oh“, erkannte der Mensch mit ohne Hut. „V-verstehe.“

Er nahm erneut das Schälchen mit dem Futter in die Hand und ...

„I-ich d-darf do-doch?“, vernahm ich etwas überrumpelt, als er mich mit seiner anderen Hand einmal mehr durchs Zimmer trug. Ich war so überrascht, dass ich doch glatt vergaß zu protestieren.

Von oben sah das Zimmer irgendwie anders aus. Ganz anders als die Wohnung von Old Lady. Der Raum war an sich recht klein und beherbergte eine riesige blaue Lichtquelle in der Wand. Davor stand ein Tisch oder Schrank oder dergleichen, welcher von einer größeren Menge weißem bis gelblichem Zeugs bedeckt wurde. Daneben lag oder stand – so klar konnte ich das nicht sagen – eine erhöhte Fläche, die mit anderem weißem Material bestückt war. Gegenüber davon, an der Wand, befand sich ein hoch aufstrebendes Gebilde, das sowohl mit weißen, gelben oder auch braunen Dingen wie auch merkwürdigen Geräten und Gegenständen bestückt war. Hinter mir konnte ich aufgrund meiner ungünstigen Position nicht viel einsehen. Allerdings vermutete ich dort das obligatorische und stets immer wieder verschließbare Durchgangsloch. Old Lady hatte mir einmal erklärt, dass die Menschen diese großen Löcher in der Wand, durch die sie aus dem Zimmer verschwinden konnten, als Türen bezeichneten. Ich hatte Old Lady schon oft durch derartige Löcher gehen sehen. Meistens war sie dann immer in einem anderen Zimmer gelandet. Ich hatte mich selbst schon einmal jenseits so einer Tür umgeschaut, wurde wenig später jedoch von Old Lady erwischt und in unser gemeinsames Familienzimmer zurückgetragen. Eine dieser Türen war mir allerdings regelmäßig auf eine sehr besorgniserregende Weise aufgefallen. Immer wieder kamen durch diese eine Tür Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, in unser Zimmer. Interessanterweise verschwanden sie auch immer wieder durch diese Tür. Ich fragte mich nur woher sie kamen und wohin sie gingen ...


Plötzlich saß ich neben meinem Transportkörbchen auf einer für meine Pfötchen äußerst angenehmen Decke. Kaum zu glauben, dass ich hier beinahe mein Geschäft verrichtet hätte. Jetzt entdeckte ich erst einmal das kleine Schüsselchen mit Futter zu meinen Pfoten.

Ich schnupperte daran ... Nicht übel. Gekochtes und leicht gewürztes Fleisch in zartem Darm. Ich mochte Wurstzipfel. Old Lady hatte unser Futter auf diese Art gereicht. Was hatte das zu bedeuten?

„Wie heißt du?“, fragte ich beiläufig und nahm einen Bissen.

„K-k-karel“, brachte der Hutmensch hervor.

Ich sah kurz auf.

„Kakakarel, das ist ein ... interessanter Name“, machte ich Konversation. „Sprichst du immer so merkwürdig?“ Ich nahm noch einen Bissen.

„D-das i-i-ist e-ein Schp-p-p-prach-f-fe-heler.“

Verständnislos sah ich ihn an.

„Kakakarel ...“, begann ich.

„N-nur ... Ka ... rel“, sagte er gedehnt und atmete schwer.

„Du bist sehr merkwürdig“, stellte ich fest und legte den Kopf schief. „Was für eine Sprache ist das?“

Der Mensch mit ohne Hut sah mich verwundert und nicht unerheblich hilflos an.

„DUUU ... MIIIIICH ... VEEEER-STEEEEE-HEEEEN?!“, brach ich meine menschlichen Sprachkenntnisse sehr laut und umso deutlicher auf das absolute Minimalmaß herab.

Jetzt wirkte der Mensch angesäuert. Doch er nickte.

„DAAAANN ... WEEEER-DEEE ... IIIICH ... FÜÜÜÜR ... DIIIICH ... NUUUUN ... LAAAANG-SAAAM ...SPREEEEE-CHEEEEN ..., DAAAA-MIIIIT ... DUUUU ... MIIIICH ... VEEEER-STEEEEEHST.“ Ich zog meine Worte so lang, wie nur möglich. Schließlich sollte der Mensch mit ohne Hut nicht eine einzige Silbe verpassen. Dem entsprechend hielt ich selbstverständlich auch eine gut hörbare Lautstärke für entscheidend.

Die Augenbrauen des Menschen zuckten unwillkürlich. Dann sagte er – nicht ganz so laut, aber ähnlich gedehnt: „Iich ... biin ... niicht ... taauub!“

„Du kannst ja doch richtig sprechen!“, frohlockte ich in anerkennender Verwunderung.

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