Lektion 13 oder
Verhandlung mit Hut

Hexenkater trifft Mensch mit Hut
Mir gefiel nicht, wie er mich ansah – und dann wieder nicht ansah.

Also sah ich – sofern er denn her sah – höchst desinteressiert zurück und putzte mich ganz beiläufig. Selten hatte ich ein glänzenderes Fell gehabt – denn er kam immer wieder, Woche für Woche, mehrmals am Tag und das täglich.
Ich für meinen Teil hatte beschlossen, mir den Rat von Old Lady zu Herzen zu nehmen: Mein Name ist wichtig – und nicht jeder, der ihn kennt, fängt damit etwas Gutes an. Somit hielt ich es ab jetzt für angebracht, ihn nicht jedem zu verraten ...

Und schon gar nicht diesem Menschen da!

Er war bei Weitem nicht so verrunzelt, wie die Menschen, die hier sonst eintrudelten. Außerdem hustete, humpelte und jammerte er auch viel weniger. Er kam einfach hier her und war nur nett und freundlich zu Old Lady. Er stellte viele merkwürdige Fragen, die ich selbst nicht verstand – Old Lady jedoch schon. Dann begann er irgendwann gelegentlich zu mir herüber zu sehen und dann auch wieder nicht.

Und was sollte dieser dämliche Hut? Wer bitte setzte sich einen Topf auf und steckte einen großen Busch langer bunter Federn daran ...

„I-i-ich nenenene-he-me i-hihn hö-ö-öchste-tens f-f-für e-e-ei-ne Wo-wo-wo-wo-che“, sagte er zu Old Lady.

„Karel, ich sagte dir schon, dass das nicht geht“, antwortete sie.

„A-a-aber, O-o- ...“

„Spar dir dein aber.“ Old Lady klang sehr energisch.

Ich fragte mich wirklich, wie sie es schaffte, ihn zu verstehen.

„Du sagtest, du wolltest dich für mich um ihn kümmern.“

„J-j-j-ja, ab-b-b-“

„Wenn du es wirklich ernst meinst, dann mach gefälligst auch Nägel mit Köpfen.“ Abfällig schüttelte sie ihren Kopf. „Eine Woche auf Probe“, schnaubte sie. „Er ist ein Wesen mit Persönlichkeit und Charakter und in einer Woche erfährst du nicht einmal die Fellfarbe seiner Bauchseite. – Pah! Eine Woche ...“

„O-o-old Lä-ä-ä-ä-äd-dy, i-i-i-“

„Was willst du denn in einer Woche mit ihm anfangen? – Außer einen Grund für die Neueinrichtung deines Studierzimmers heraufzubeschwören ...“ Eindringlich sah sie den Menschen an. „Du gehörst doch nicht etwa zu diesen Dummköpfen, die sich in diesen Möchtegern-Burschenschaften herumtreiben?! – Man hört nichts Gutes über sie, besonders in Hinsicht auf Katzen.“

„Oh-oh, ne-ne-nein!“

„Das will ich dir auch geraten haben! Denn für so etwas ist er mir nun wahrlich viel zu schade.“

Der Mensch mit Hut sah plötzlich zu mir, worauf ich hastig anfing mich zu putzen. Ich hatte keinen Schimmer, worüber die beiden redeten. Sicher war ich mir nur darin, dass dieser Mensch mit Hut irgendwie eigenartig war.

„Entweder“, fuhr Old Lady fort, „du nimmst ihn gleich ganz und gar – oder du lässt es sofort bleiben. Ich brauche jemanden, der sich gut um ihn kümmert – auf Dauer.“

„A-a-a-aber ...“

„Ach, um den Vermieter mach dir keine Sorgen. Das werde ich mit dem Wohnheim regeln. Außerdem tut es dir gut, etwas mehr Verantwortung zu übernehmen.“

„I-i-ich h-hab n-n-noch n-n-n-n-niee ...“

„Das wird schon gehen, Karel. Mit ihm womöglich sogar besser als mit anderen.“ Old Lady lachte und zwinkerte zu mir herüber. Ich legte den Kopf schief.

Der Mensch mit Hut schaute nur verwirrt erst zu Old Lady, dann zu mir. Ich putzte meine Pfote.
Worum auch immer es bei dieser Menschenunterhaltung ging, mich beschlich so langsam der Verdacht, dass ich dabei eine recht bedeutungsvolle Rolle spielte.

„I-i-i-i-ist e-er d-d-“

„Ja, er ist stubenrein und beherrscht alle Grundlagen des guten Benehmens. Du kannst also auch gerne Damenbesuch zu dir einladen“ , Old Lady knuffte ihm zwinkernd mit dem Ellenbogen in die Seite. „Er ist neugierig, aber auch damit wirst du sehr gut klar kommen, denke ich. Auch wird er dir selbst und deinen ...“, sie suchte nach dem richtigen Ausdruck, „... und deinen sprachlichen Problemen hilfreich sein und letzteren sogar Abhilfe schaffen – wie bei einer therapeutischen Maßnahme.“

Meint sie damit wirklich mich?, dachte ich noch so bei mir und begann energisch, mich hinter dem linken Ohr zu jucken.

„I-ich ...“

„Du nimmst ihn? Wunderbar!“

„Nenenenenein ich b-b-brauche ...“

„Noch etwas Zeit?“ Old Lady zwinkerte vergnügt. „Einverstanden, du hast bis Ende der Woche Zeit, um deine Wohnung katzensicher zu machen. Dann bringe ich ihn vorbei.“ Sie hob den Zeigefinger „Und ja, keine weiteren Ausflüchte.“

„Ahabe-er ...“

„Sehr gut, Karel. Ich lasse dir eine Liste zukommen. Darin findest du alles, was du benötigst. Ein paar Sachen bringe ich auch mit. Ich bin mir sicher, wenn du dich auch innerlich dazu bereit erklärst, wirst du sehr, sehr schnell gefallen daran finden.“

„O-o-old L-la..“

„Auf Wiedersehen, Karel“, lächelte Old Lady – keinesfalls bereit, ein weiteres Widerwort in Kauf zu nehmen.

Der Mensch mit dem Hut seufzte.

„A-auf W-wieders-sehen.“

Dann sah er noch mal zu mir, lächelte kurz und unbehaglich, zupfte seinen etwas unhandlichen Kopfputz zurecht und verließ das Haus.

„Ein sehr ... interessanter ... Mensch“, meinte ich, sobald die Tür hinter ihm geschlossen war – wobei ich den Ausdruck „komisch“ aus Rücksicht auf Old Lady mit voller Absicht nicht benutzte. Stattdessen hoffte ich, dass meine Pausen entsprechend wirkten.

„Ach, findest du?“, fragte Old Lady überraschend erleichtert. „Ich wusste, du würdest ihn mögen“, ließ sie meine besondere Betonung außer Acht. „Doch ich hoffe nur, dass das mit dem Hut nur so eine Phase ist.“


Es dauerte fast ganze zwei Wochen und eine sehr unbehagliche Reise in einem Picknickkorb, bis ich bemerkte, dass sich soeben meine Anschrift geändert hatte.

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